Viele Ideen f├╝r die neue LEADER-F├Ârderperiode

 

Rund 90 Interessierte aus Kommunalpolitik, Verbänden und Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger haben sich am Montagabend im Bürgerzentrum Elsenfeld eingefunden, um gemeinsam Ideen für die Erstellung einer regionalen Entwicklungsstrategie zu sammeln.

Gerhard Rüth, Geschäftsführer der LAG Main4Eck, hoffte auf die aktive Mitarbeit der Gäste, damit die Region auch weiterhin EU-Fördermittel bekommen kann. Rüth blickte kurz auf die erste, äußerst erfolgreiche Förderperiode der LAG zurück. Im Juni 2008 sei die LAG erstmals als LEADER-Region anerkannt worden, so Rüth. Die erfolgreiche Arbeit der LAG habe schließlich in 32 Projekten und knapp 1,5 Millionen Euro Fördermitteln resultiert, freute sich der Geschäftsführer. Die Ausarbeitung der regionalen Strategie habe im Januar 2014 begonnen, als die Bietergemeinschaft Neuland+/CHROSIS als Begleiter für die Strategieentwicklung beauftragt worden sei.

Landrat Jens Marco Scherf führte in die Funktionsweise des LEADER-Programms ein. „Die EU gibt den Rahmen, aber die Bürger gestalten“, sagte Scherf. Das sei wunderbar, rief er den Anwesen zu, „Tun wir es!“ Er forderte die Gäste auf, Schwächen und Stärken der Region auszuarbeiten und auch Potenziale zu erkennen. „Wir sind gespannt auf Ihre Kreativität“, sagte er zu den Gästen. Dass es im Entwicklungskonzept in erster Linie um Vernetzung geht, stellte der unterfränkische LEADER-Manager Wolfgang Fuchs dar. „Vernetzung bringt wirklich etwas“, sagte er, aber gleichzeitig sei es auch wichtig, dass konkrete, sichtbare Projekte verwirklicht würden. „Lassen Sie sich keine Denkverbote auferlegen“, riet er den Gästen, in dieser ersten Veranstaltung gehe es nur um eine erste Sammlung von Ideen. Dass der Landkreis Miltenberg als Ko-Finanzierer auftrete, sei nicht selbstverständlich, stellte er fest, „das zeigt die Ernsthaftigkeit des Landkreises in Sachen Regionalentwicklung.“

Hannes Bürckmann (Neuland+/CHROSIS) erklärte die Aufgaben von LAG und LAG-Management bei Begleitung und Umsetzung der Projekte. Im ersten Schritt würden zunächst Ideen gesammelt, protokolliert und aufbereitet. Die Ergebnisse würden veröffentlicht und bis in den Herbst hinein konkretisiert. Im Spätherbst werde man die regionale Entwicklungsstrategie abgeben, so Bürckmann. Um die Ideenfindung zu erleichtern, hatten Bürckmann und sein Kollege Sebastian Dürr vier Themenfelder vorgegeben zu den Handlungsfeldern Leben, Landschaft & Landnutzung, Menschen und Tourismus. „Das sind aber nur Diskussionsgrundlagen“, stellte Bürckmann klar, neue Ideen seien jederzeit möglich. In vier Gruppen konnten sich die Gäste anschließend kreativ betätigen. Sie diskutierten über Stärken und Schwächen der Region, über die zu erreichenden Ziele, über geeignete Maßnahmen und benannten Vereine und Organisationen, die man noch ansprechen sollte.

Nach rund einer Dreiviertelstunde kreativen Arbeitens berichtete Hannes Bürckmann aus der Gruppe „Menschen“, dass man festgestellt habe, dass es bereits sehr viele Ansätze in der Region gibt – etwa bei Integrationsprojekten oder diversen Koordinationsstellen. Manche hätten voneinander gewusst und sich gekannt, andere nicht. Deshalb sei es wichtig, ehren- und hauptamtliche Menschen zu vernetzen, die ähnliche Ziele verfolgen.  Zum Teil sei auch die Professionalisierung der Arbeit notwendig, lautete eine Erkenntnis der Gruppe. Als Schwerpunkte seien die Integration und die Förderung der Jugend genannt worden, sagte Bürckmann. Die Verwirklichung dieser Ideen werde auch indirekte Auswirkungen auf Familienfreundlichkeit und bürgerschaftliches Engagement haben, sagte er voraus.

Die Gruppe „Tourismus“, für die LAG-Managerin Elisabeth Kluin berichtete, mahnte eine qualitative Verbesserung der Angebote an. Es sei auch wichtig, alternative und preisgünstige Übernachtungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien zu etablieren. Das kulturelle Erbe der Region müsse sowohl nach innen als auch nach außen besser vermarktet werden. Zur Sprache sei auch die Dreiteilung des Landkreises in Sachen Tourismus gekommen mit dem Räuberland, Churfranken und dem Odenwald. Man solle über eine bessere Vernetzung dieser Angebote nachdenken, so Kluin.

Die Gruppe von LAG-Manager Dr. Jürgen Jung hatte sich mit dem Themenfeld „Landschaft & Landnutzung“ beschäftigt. Man habe über die Parzellierung der Landschaft und über deren Nutzungsmöglichkeiten gesprochen, so Jung. So sei man beim Wein- und Obstbau gelandet. Hier hätten sich mehrere Ideen wie Keltern, Obstsortenbestimmung und Streuobstallee ergeben. Auch die Produktion von Lebensmitteln mit traditionellen Methoden wie Apfelmusherstellung oder das Einkochen von Marmelade sei genannt worden, um diese der jungen Generation weiterzugeben. Der Erhalt historischer Strukturen – etwa die alten Weinbergsterrassen – sei ebenfalls angesprochen werden. Einig sei man sich gewesen, mehr regionale Produkte in den Märkten anzubieten, um kürzere Wege vom Hersteller zum Verbraucher zu erreichen.

Sebastian Dürr, Leiter der Gruppe „Leben“,  stellte fest, dass viele der in der Gruppe bearbeiteten Themen mit anderen Handlungsfeldern verzahnt seien. Hohen Stellenwert habe der demographische Wandel gehabt, berichtete er – etwa die Organisation von Wohnstrukturen im Alter. Man könne beispielsweise überlegen, ganze Ortskerne für den demographischen Wandel fit zu machen. Das Thema Energie sei behandelt worden, ebenso die Vernetzung von Handwerk und Einzelhandel und auch der öffentliche Personennahverkehr.

Nach über zwei Stunden ging die Veranstaltung im Bürgerzentrum zu Ende.

 

Artikel im Main-Echo vom 29.05.2014

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